Subtext und fiktive Situationen

Wer unerfahren mit Fotoshoots ist und dem der Schauspielhintergrund fehlt, stellt sich oft die Frage: was mache ich denn eigentlich vor der Kamera, wie soll ich gucken, wie soll ich stehen, was mache ich hier und jetzt?

Auf diese Frage sollte ich als Fotograf eine Antwort wissen. Die Antwort ist im Grunde immer Subtext. Zum Warmwerden spiele ich fiktive Situationen durch. Mit Jens hatte ich mich zum Spaß auf Polizeifotos geeinigt. Ich bin der Polizeifotograf und Jens ist der Schwarzfahrer, der erwischt wurde, sich gegen die Personalkontrolle gewehrt hat und schließlich auf dem Revier gelandet ist. Leibesvisitation und Blutabnahme.

Wir haben die Situation in Gedanken durchgespielt und hatten unsere Szene, die wir ins Bild setzen konnten. Der renitente Schwarzfahrer, der seine Festnahme noch vor Augen hat. Widerstand gegen die Staatsgewalt. Er durchlebt diese Situation, und steht jetzt trotzig vor der Kamera. Ihr könnt mich mal, mir kann keiner.

Die Herausforderung für uns war bei den Aufnahmen nicht zu lachen. Und jetzt schaut der Schwarzfahrer den Fotografen an und denkt sich seinen Teil.